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der unwissende
Joined: 04 Jun 2010 Posts: 3
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Posted: Fri Jun 04, 2010 9:22 pm Post subject: Aufenthalt und Entlassung |
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Hallo zusammen.
Ich bin neu hier und grundsätzlich hier hin gekommen, weil ich ein Kapitel in der Zeit meines Großvaters klären möchte, von dem ich kaum Informationen habe.
Ich fange mal mit den mir vorliegenden Informationen an:
Mein Großvater war in der 95. Infanteriedivision, die am 10. September 1944 unter altem Namen aus der Korps-Abteilung H neu aufgestellt wurde. Die letzte Erwähnung aus der Divisionsgeschichte von Karl Knoblauch stammt vom 17. April 1945 auf der Frischen Nehrung. Dort gab es eine Kampfgruppe aus der 95. und 551. ID mit etwa 300 Mann. Die meisten Überlebenden der 95. sind dann in russische Gefangenschaft gegangen, mein Großvater nicht.
Eine der wenigen Erzählungen meines Großvaters waren der Satz "Wir sind dann über die Ostsee nach Dänemark abgehauen". Das nächste was ich habe ist aus einer Karteikarte des Stadtarchivs seine Rückmeldung in seiner Heimatstadt im Juli 1945.
Ich schließe daraus, dass er in einem der großen Lager für Kapitulationsgefangene in Schleswig-Holstein (Korpsgruppe Stockhausen oder Korpsgruppe Witthöft) war. Da seine Heimat im Rheinland ist und die ersten Gefangenen ins Rheinland entlassen wurden, käme dieses zeitlich auch hin.
Er hatte eine Verletzung an der linken Hand, einen Durchschuß.
Jetzt kommen meine Fragen:
Ich habe im Netz gelesen, dass die Gefangenen bei ihrer Entlassung lange Fragebögen, ihre politische und militärische Vergangenheit betreffend, ausfüllen mussten.
Diese Listen wurden doch sicherlich nicht ausgefüllt und dann weggeworfen. Gibt es diese noch? Auf diese Art und Weise wurde doch auch festgehalten, wer in diesen Lagern war. Lässt sich das noch nachvollziehen? Gibt es Namenslisten? Wer könnte diese haben? Wenn Soldaten verletzt waren, müssen diese doch versorgt worden sein. Gibt es Aufzeichnungen darüber?
In Entlassungsstellen wie z. B. Eutin gab es doch dann die Entlassungspapiere. Diese wurden doch sicherlich auch als Listen geführt. Kann mir jemand was dazu sagen?
Mein Großvater muss ja irgendwo die Zeit zwischen April und Juli 45 verbracht haben und dieses ist die naheliegendste Schlußfolgerung.
LG
Markus |
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stefan_reuter
Joined: 27 Nov 2003 Posts: 579 Location: Saarland, Germany
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Posted: Sat Jun 05, 2010 7:56 pm Post subject: Re: Aufenthalt und Entlassung |
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Hallo Markus,
zunächst mal herzlich willkommen hier im Forum
Leider kann ich Deine Fragen nicht wirklich zufriedenstellend beantworten. Grundsätzlich kann ich Dir aber sagen, dass es m. W. keine Namenslisten der britischen Gefangenen gibt, schon gar nicht von denjenigen, die in den großen norddeutschen Sammelräumen interniert waren. Was Du Dir zunächst mal besorgen solltest (sofern noch nicht geschehen), ist der militärische Werdegang Deines Großvaters sowie eine Kopie seiner Kriegsgefangenenakte. Das bekommst Du beides bei der Deutschen Dienststelle (WASt) in Berlin - den Antrag kannst Du online stellen unter:
http://www.dd-wast.de/frame.htm
Mach' Dich allerdings auf Wartezeit von derzeit etwa einem Jahr gefasst!
Sofern in Berlin was vorliegt, gibt man Dir auch Auskunft. Allerdings würde ich betreffend einer Kriegsgefangenenakte keine allzu große Hoffnungen hegen, da Dein Großvater wohl nur eben registriert und kurz darauf bereits wieder nach Hause geschickt wurde, im Gegensatz zu vielen anderen seiner Kameraden, die noch bis 1948 in britischen Lagern bis zur Repatriierung ausharren mussten - von denen gibt's üblicherweise Akten, die der Deutschen Dienststelle (WASt) seit den 1960er Jahren auch vorliegen.
Die Fragebögen, die Du ansprichst, sind wohl die "Entnazifizierungsfragebögen". Wo die alle abgeblieben sind, kann ich Dir zwar nicht definitiv sagen, aber ich an Deiner Stelle würde mal im Stadtarchiv oder im Landesarchiv nachfragen. Ob dieser Wust an Fragebögen, den m. W. damals jeder über 18 Jahre ausfüllen musste, tatsächlich irgendwo überliefert wurde, wage ich zu bezweifeln. Gleiches gilt wohl für andere von Dir angefragten Listen, die sicherlich damals erstellt wurden - ob die allerdings bis in die heutige Zeit erhalten geblieben und nicht irgendwann nach Ablauf von bestimmten Aufbewahrungsfristen im Häcksler gelandet sind, kann ich Dir nicht sagen. Manchmal kommt es vor, dass solche Unterlagen mehr oder weniger zufällig dann doch nicht vernichtet wurden und irgendwann den Weg in ein Archiv gefunden haben.
Verwundete Soldaten, die in einem Lazarett behandelt wurden tauchen in den Unterlagen des Krankenbuchlagers auf. Aus diesen Unterlagen werden aber mittlerweile Privatpersonen keine Auskünfte mehr erteilt - Auskunft erhält auf Anfrage aber die Deutsche Dienststelle (WASt)!
Gruß, Stefan |
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der unwissende
Joined: 04 Jun 2010 Posts: 3
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Posted: Sun Jun 06, 2010 10:27 am Post subject: |
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Hallo Stefan.
Erst einmal Danke für deine Begrüßung.
Auskünfte der WAST habe ich bereits seit etwa 1 Jahr. Daher weiß ich erst, in welchen Einheiten mein Großvater war. Die Auskünfte der WAST sind allerdings was die letzten Kriegstage betrifft oft standardisiert, so steht bei meinem Großvater als letztes das die Soldaten der 95. ID in russische Gefangenschaft gegangen sind. Mein Großvater war dort allerdings nie. Er war wie schon vorher geschrieben mit einem Schiff nach Dänemark gekommen. Das Stadt- und das Landesarchiv haben keine Unterlagen bezüglich Entnazifizierung oder ähnlichem. Ein Soldbuch existiert auch nicht mehr, einzig die Stammrolle meines Großvaters ist bei der WAST vorhanden, auch keinerlei Eintag über eine eventuelle Kriegsgefangenschaft.
Die Entnazifizierungsbögen, die du ansprichst wurden meines Wissens nach in der Heimatstadt nach Rückkehr ausgefüllt bzw. erstellt (ich kann mich da auch irren), was ich meine sind die Listen, die erstellt wurden bevor die Soldaten dann in den Entlassungsstellen ihre "D-Scheine" bekamen, die ihnen die Rückreise in ihre Heimatgegenden erlaubten.
Da mein Großvater auch noch drei Jahre nach dem Krieg Behandlungen bezüglich des Handdurchschusses bekam, habe ich eine Anfrage an die damalige bzw. nachfolgende Krankenkasse mit den entsprechenden Vorgangsnummern gestellt. Es existieren dort allerdings auch keine Unterlagen mehr über diese Vorgänge.
Auch die Rentenversicherung kann keine Angaben über die Zeit zwischen April und Juli 45 machen. Dort wird er noch als Angehöriger der Wehrmacht geführt, die aber doch ab 9. Mai 45 nicht mehr existierte.
Ihr werdet meine Fragen, die meinen Großvater direkt betreffen sicherlich nicht beantworten können, aber vielleicht sind euch Adressen von Personen, die sich mit dieser Problematik beschäftigen bekannt bzw. die Namen der ehemaligen Institutionen auf deutscher, britischer und dänischer Seite. Das wären dann meine weiteren Anlaufpunkte.
LG
Markus |
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stefan_reuter
Joined: 27 Nov 2003 Posts: 579 Location: Saarland, Germany
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Posted: Sun Jun 06, 2010 10:56 am Post subject: |
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Hallo Markus,
da wirst Du Probleme haben, an weitere Infos zu kommen, es sei denn "Kommissar Zufall" spielt Dir was in die Hände. Dass die meisten Unterlagen nicht mehr vorhanden sind, liegt - wie oben bereits angesprochen - daran, dass es Aufbewahrungsfristen gibt, nach deren Ablauf alles vernichtet wird (oder werden soll). Wenn da nicht durch Zufall was liegen geblieben ist, das dann einem Archiv angeboten wurde, sieht's mau aus - leider!
Da Du eigentlich alle relevanten Anlaufstellen abgefragt hast, bleibt Dir wohl nichts anderes übrig, als einfach im Netz weiter nach Mosaiksteinchen zu stöbern - manchmal kann das ein paar Jahre dauern, bis man wieder was findet, wie ich aus eigener Erfahrung weiß ...
In Sachen Kriegsgefangenschaft lohnt auch eine Anfrage in Großbritannien nicht. Beim MOD weiß man zu Fragen der ehemaligen deutschen Gefangenen meiner Erfahrung nach überhaupt nichts. Auch dort wurden Unterlagen - soweit vorhanden - an's Nationalarchiv abgegeben. Vom britischen Nationalarchiv in Kew wird man aber regelmäßig an die Deutsche Dienststelle (WASt) verwiesen, der die Gefangenenakten seit den 1960er Jahren vorliegen. In Kew lagert zwar noch einiges an hochinteressanten Unterlagen zum Thema, die offenbar noch nicht richtig gesichtet und ausgewertet wurden (s. z. B. die Abhörprotokolle der deutschen Stabsoffiziere, die von Dr. Sönke Neitzel vor ein paar Jahren erstmals ausgewertet wurden), um die aber einzusehen, muss man sich nach Kew bemühen oder aber einen so genannten "Researcher" beauftragen - ist im ersten Fall zunächst eine Frage der Zeit und im zweiten Fall eine Frage des Geldbeutels ...
Bleibt noch die Suche nach ehemaligen Kameraden Deines Großvaters oder deren Angehörigen, die ein paar Mosaiksteinchen haben könnten.
Trotzdem wünsch' ich Dir viel Erfolg und lass' uns hier bitte wissen, wenn Du Anlaufstellen finden solltest, die weiter führende Informationen haben sollten.
Gruß, Stefan |
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carrington
Joined: 25 Jun 2010 Posts: 3
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Posted: Fri Jun 25, 2010 3:51 pm Post subject: Nochmals in die zuständigen Landesarchive... |
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...auch wenn's auf den ersten Blick unglaubwürdig scheint:
Die jeweiligen Landesarchive haben mehr von diesem Themengebiet, als sie selber wissen.
Beispielsweise bin ich durch Zufall in dem für mich zuständigen Landesarchiv auf sogenannte "Übersetzungsakten" gestossen, diese füllen zig Laufmeter und haben unter anderem auch solche Infos intus (Original * übersetzt).
Das Landesarchiv selber wusste nicht, dass sich in diesem Bestand auch die angesprochenen Akten befanden...
Summa Summarum: In den Archiven liegt mehr herum als man glaubt, wer das ganze ausheben ausarbeiten soll ist eine andere Frage - wohl eine Aufgabe für die nächsten 2 bis 3 Generationen... |
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stefan_reuter
Joined: 27 Nov 2003 Posts: 579 Location: Saarland, Germany
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Posted: Fri Jun 25, 2010 4:19 pm Post subject: |
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Hallo carrington,
zunächst mal herzlich willkommen hier im Forum
Nur der Vollständigkeit halber für Suchende: welches ist denn das für Dich zuständige Landesarchiv, in dem diese "Übersetzungsakten" lagern?
Und was genau beinhalten diese Aktenbestände? Sieh' mir meine Unwissenheit bitte nach, aber mit dem Begriff "Übersezungsakten" kann ich nichts anfangen ...
Gruß, Stefan |
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